Leerverkäufe


Sino (Leerverkäufe)



Als Leerverkäufe gelten Verkäufe von Wertpapieren, die sich gar nicht im Besitz des Verkäufers befinden. Die Verkäufer sind bearish eingestellt und spekulieren darauf, sich zu einem späteren Zeitpunkt günstiger eindecken zu können (die verkauften Wertpapiere erwerben zu können) und somit die Differenz als Gewinn zu verbuchen.




So funktionieren Leerverkäufe


Bei Leerverkäufen veräußert ein Großanleger Aktien, die er gar nicht in seinem Depot liegen hat. Stattdessen leiht er sich die Papiere - meist mehrere 100000 Stück für einige Wochen - von einem anderen Großaktionär. In der Regel werden diese Geschäfte weltweit zwischen institutionellen Anlegern wie Banken und Versicherungen abgeschlossen.

Der Verleiher erhält dann eine einmalige Leihgebühr, die je nach Angebot und Nachfrage zwischen 0,125 und 20 Prozent per anno des aktuellen Aktienkurses liegen kann. Der Vorteil des Verleihers: Er verdient zusätzlich Geld mit seinen Aktien, die sonst nur im Depot lägen. Sinkt der Aktienkurs, kann der Leiher die Papiere günstiger wiederbeschaffen und die Differenz abzüglich der Leihgebühr behalten. Steigt der Aktienkurs aber, macht er Verlust.

Leerverkäufer leihen sich bei Banken oder bei anderen Investoren Aktien aus, um diese am Markt zu veräußern. Fallen die Kurse, dann kaufen sie die Papiere zu einem niedrigeren Preis zurück - Fachleute sprechen vom "Eindecken oder Glattstellen der Position". Der Gewinn für die Leerverkäufer ergibt sich aus der Differenz zwischen Verkaufs- und Rückkaufpreis.

Das Geschäft mit der Spekulation auf sinkende Aktienkurse - nichts andere sind Leerverkäufe - scheint einen richtig negativen Touch zu haben. Viele denken und schreiben sogar, es sei in Deutschland grundsätzlich verboten. Aber mitnichten. „Leerverkäufe als solche sind durchaus erlaubt“, erläutert Sabine Reimer von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. „Das ist ein Instrument des Marktes, das bisher schon genutzt wird. Da gibt es von unserer Seite nichts weiter zu bemerken“, ergänzt sie. Damit wäre eigentlich alles gesagt, wenn die Privatanleger das auch so sehen würden und auf entsprechende Angebote der Banken zurückgreifen könnten.

Sollten sie so versiert sein und auch an fallenden Börsenkursen Geld verdienen wollen, so stoßen sie allerdings auf gewisse Schwierigkeiten. Die Direktanlagebank möchte es nicht anbieten, da es für den Kunden zu riskant sei, die Deutsche Bank bietet es nicht an, da es rechtlich zu komplex sei, die Hypovereinsbank hält es für verboten und die Commerzbank sagt, die Nachfrage sei zu gering. Bei den institutionellen Anlegern sei das allerdings gang und gäbe. Zu den üblichen Wertpapierkonditionen, plus anfallenden Gebühren für die Wertpapierleihe. Für einen Dax-Wert dürften die sich auf etwa 20 Basispunkte oder 0,02 Prozentpunkte belaufen.

So bleiben dem Privatanleger momentan nur noch zwei Möglichkeiten. Die bieten sich bei Consors und bei der sino AG in Düsseldorf. Aber selbst dort ist es nicht ohne weiteres möglich. Bei Consors wird die Möglichkeit zum „Short-Selling“ individuell mit dem Kunden vereinbart. Dafür kommen in der Regel nur Anleger infrage, die ein Depot von 50.000 Euro haben und mindestens 100 Wertpapiergeschäfte pro Jahr ausführen. Das Geschäft sei sehr risikoreich, deshalb möchte man erst den Nachweis haben, dass der Kunde über die entsprechende Erfahrung verfüge.

Bei Leerverkäufen setzen die Verkäufer darauf, dass sie die zum aktuellen Tageskurs verkauften Aktien später günstiger zurückkaufen können und spekulieren damit auf fallende Kurse. Leerverkäufer leihen sich die Aktien, die sie zwar verkaufen, aber nicht besitzen, gegen eine Gebühr von großen institutionellen Anlegern wie Versicherungskonzernen oder Pensionskassen. Wenn der Aktienkurs wie erwartet fällt, kaufen sie die Papiere zu dem günstigeren Kurs an der Börse wieder ein und geben sie an den Verleiher zurück. Als Gewinn bleibt den Leerverkäufern die Differenz zwischen Verkaufs- und Einkaufspreis abzüglich der Leihgebühr.

Allerdings lässt sich das Konzept "Verkaufe, was Du nicht hast und mache mit dem Rückkauf Deinen Gewinn" mittlerweile nicht mehr in allen Branchen und bei allen Aktien gleichermaßen durchsetzen. Zwar werden auch weiterhin die großen Marktteilnehmer wie Versicherungen und Pensionskassen gegen eine Leihgebühr Teile ihrer Finanzbeteiligungen den Leerverkäufern zur Verfügung stellen. Doch die Leihnehmer werden wählerischer.




Erfahrene Anleger haben das Risiko im Griff


Ähnlich wird das auch von sino „gehandelt“. Grundsätzlich kann das jeder machen, allerdings achtet das Unternehmen darauf, dass die Kunden erfahren sind. Es stelle sich relativ schnell heraus, wie sich ein Kunde im Markt bewege - und wenn es nicht passt, werde die Kontoverbindung wieder aufgelöst. Zielgruppe bei sino sind vor allem Leute, die wissen „wie der Hase läuft“. So genannte „Overnight-Shorts“ sind bis zu sieben Tage möglich und kosten neben der eigentlichen Wertpapiertransaktion eine pauschale Leihgebühr von 60 Euro. Sino ist täglich im Gespräch mit den Kunden und hält sie auch mit Blick auf die Risiken auf dem Laufenden.

Das Risiko von Leerverkäufen besteht darin, dass eine Aktie steigt, nachdem der Anleger sie verkauft hat. Hat er beispielsweise 100 Siemens-Aktien bei 47 Euro verkauft und auf weiter fallende Kurse spekuliert, dann erzielt er bei einem Kurs von 52 Euro ein Minus von 500 Euro. Das bedeutet, bei steigenden Kursen macht er grundsätzlich Verluste. Die kann er nur unterbinden, indem er die Aktie zum höheren Kurs zurückkauft. Damit besteht das große Risiko bei Leerverkäufen darin, dass der Verlust nach oben theoretisch unbegrenzt ist, während beim klassischen Aktienkauf dieser bei 100 Prozent begrenzt ist. Aber nur theoretisch. Denn auch wenn Aktien langfristig betrachtet im Durchschnitt steigen - von heute auf Morgen wachsen sie nie in den Himmel. Schon gar nicht im aktuellen Umfeld.




Angst vor Risiken


Im Fazit hat der Leerverkauf unter deutschen Anlegern offensichtlich noch einen negativen Touch, den „Hauch des Verruchten“. Allein schon die abwehrende Haltung der Banken spricht Bände. Angesichts der Kursverluste von den „ach so ungefährlichen“ klassischen Aktienpositionen am Neuen Markt jedoch, dürfte die Angst vor Verlusten mit Leerverkäufen stark übertrieben sein. Zumindest für Anleger in den USA ist diese Form des Wertpapiergeschäftes ein normales Geschäft. Aber bis die Europäer soweit sind, dürfte noch etwas mehr Erfahrung und Routine notwendig sein.Sowohl auf Seiten der Banken als auch der Anleger. Das ist schade. Denn - entgegen der weit verbreiteten negativen Meinung - dürfte das dem Markt nur nützen. In Form von besserer Liquidität und als mögliches Korrektiv gegen übertriebene Bewertungen.




Alles über Leerverkäufe


Manch einen Anleger beschleicht ein ungutes Gefühl bei dem Gedanken an Leerverkäufe, besonders, wenn er erlebt, wie diese einen bereits vorhanden Trend nach unten verstärken. Leerverkäufe werden von professionellen Investoren getätigt, indem sie sich Aktien aus langfristig gehaltenen Beständen (z.B. von klassischen Fondgesellschaften) gegen eine Gebühr ausleihen. Hierbei ist der Rückgabezeitpunkt genau festgelegt. Sie spekulieren dabei auf weiter fallende Kurse und den billigeren Rückkauf der Aktien.

Entscheidend ist die psychologische Verfassung der Marktteilnehmer zu dem jeweiligen Zeitpunkt. Diese drückt sich in unterschiedlichem Angebots- oder Nachfragedruck aus.

In einer Befragung der Beteiligten wurde geantwortet: “Kurzfristig kann eine Aktie durch Hedg-Fonds mal ins Trudeln geraten. Langfristig setzt sich das faire Kursniveau durch.” Einer anderen Aussage nach sollen Hedge-Fonds damit Marktineffizienzen beseitigen. Übersetzt heißt dies, übertriebene Bewertungen werden vorsätzlich gestürzt. Man könnte auch sagen, Buchwerte werden vorsätzlich vernichtet, und das kann man durchaus in Frage stellen.

Ein Kleinanleger, der um diese Zusammenhänge weiß, kann versuchen an dem Spielchen zu verdienen. Voraussetzung wäre jedoch eine genaue Kenntnis über die zeitlichen Abläufe von Leerverkäufen und Rückkäufen. Und daran hapern die Erfolgsaussichten.

Da sich immer mehr Hedge-Fonds an dem Spiel der Leerverkäufe beteiligen, steigt der Druck zu bestimmten Zeiten auf die Kurse bestimmter Aktien. Das Gegengewicht zu dem verstärkten Abwärtstrend bildet die abnehmende Abgabebereitschaft bei statischen Stücken. Die Aufnahmebereitschaft bei vagabundierenden Stücken liegt bei Spekulanten. Deren Abstoßen zur Schadensbegrenzung verstärkt den Kursverfall. Gleichzeitig begrenzt deren sinkende Aufnahmebereitschaft die Leerverkäufe. In diese entstehende Lücke versuchen die ersten Rückkäufe zu stoßen. Der Mechanismus wirkt dabei ähnlich. Schnäppchenjäger aus dem statischen Bereich tauchen nach erkennbarer Bodenbildung auf, Spekulanten steigen erneut ein, um von dem erwarteten Aufwärtstrend zu profitieren.

Das beste Mittel gegen Leerverkäufe wäre global betrachtet somit ein kollektives Verweigern von Material auf der zu niedrigen Preisbasis, bis zu dem Zeitpunkt, an dem Rückkäufe getätigt werden müssen. Dem entgegen stehen jedoch die unzähligen Stop-Loss-Marken, die gerade Verkäufe auslösen und damit Material (Aktienstücke) freisetzen. Außerdem ist das Kollektivinteresse so eine Sache, wie sich in dem BHW-Beispiel weiter unten zeigen wird.

Der beachtenswerte Punkt bei Leerverkäufen ist eine Umkehrung des Risikos. Wenn wir Aktien kaufen, so ist das Verlustrisiko auf 100 Prozent des eingesetzten Kapitals begrenzt. Dieser Fall tritt ein, wenn die Aktien z.B. durch Konkurs der AG ihren Wert vollständig verlieren. Im Falle der Leerverkäufe steigt das Risiko auf ein Mehrfaches des eingesetzten Betrages. Denn wenn die Spekulation (und um eine solche handelt es sich schließlich) daneben geht, so müssen die geliehenen Stücke möglicherweise zu 100 EURO eingedeckt werden, die zu 33 EURO zuvor verkauft wurden. In diesem Fall hat sich das Risiko verdreifacht.

Der erwähnte psychologische Druck in Zeiten einer Baisse, der durch Leerverkäufe verstärkt und ausgenutzt wird, ist erheblich. Sehr spät erkannte man offensichtlich, dass die trendverstärkenden Leerverkäufe für die Psyche viel gefährlicher waren, als zuvor eingeschätzt. Hinzu kam, dass alle Lebensversicherer durch den Kursverfall in der Substanz geschädigt wurden, weil sie schließlich Mindestkapital zur Rentenausschüttung bereit halten müssen. Als die ersten Versicherer Teile ihrer Aktien notliquidieren mussten, zeichnete sich das ganze Ausmaß der Katastrophe ab. Hier sehen wir, dass tatsächlich Leerverkäufe ab einer gewissen Größenordnung schädliche Auswirkungen auf die Realwirtschaft haben können.



Verantwortlich sind derzeit vielmehr Spekulanten, genau genommen die so genannten Hedge-Fonds. Sie tätigen äußerst risikoreiche Anlagen und haben sich nach Angaben von Frankfurter Händlern derzeit auch die Deutsche Telekom zu ihrem Spielball auserkoren. Das System ist relativ kompliziert, bei Erfolg winken aber satte Gewinne. Grundlage sind so genannte Leerverkäufe mit Aktien, die die Fonds selbst gar nicht besitzen, sondern sich nur geliehen haben.

Diese Aktien bieten die Fonds unter dem aktuellen Kurspreis zum Kauf zu einem exakt festgelegten Termin an. Sie verkaufen also beispielsweise schon jetzt zum 30. Juni Telekom-Aktien für einen Kurs von neun Euro an Anleger, die angesichts des günstigen Kurses auf ein Schnäppchen hoffen. Das Problem dabei ist, dass die Fonds die Aktien ja selbst gar nicht besitzen. Sie müssen sie also irgendwann kaufen, um sie dem Verleiher zurückgeben zu können. Dabei spekulieren sie darauf, dass der Kurs noch drastischer sinkt, beispielsweise auf acht Euro. Dann kaufen sie selbst die Aktien und haben pro Papier ein Euro gut gemacht.

Allerdings ist diese Form der Anlage sehr spekulativ, bei steigenden Kursen entstehen sofort immense Verluste. Diese Gefahr wird bei der Telekom von den Zockern angesichts der allgemeinen Branchenlage und Börsenstimmung im Moment aber nicht als so groß angesehen. Sie setzen zudem auf den psychologischen Effekt der Leerverkäufe. „Wenn ständig unter aktuellem Kurs Aktien angeboten werden, bewirkt das natürlich einen Abwärtstrend“, lautet eine der Weisheiten an der Börse. Zudem werden oft bewusst schlechte Nachrichten gestreut, um die Kurse zu drücken.




Alle Angaben ohne Gewähr !

Homepage: StockFortune.de