Genußscheine



Bertelsmann hat sie, die Allianz, die Deutsche Bank und die WestLB: Genußscheine – im Börsenjargon „Genüsse“. Genußscheine sind eine Mischung aus Aktien und Anleihen, die nicht nur von Aktiengesellschaften ausgegeben werden können. Weder Begriff noch Inhalt sind gesetzlich definiert, wodurch sich den Emittenten vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten bieten. Einige haben mit Aktien gemeinsam, daß ihr Ertrag vom Unternehmenserfolg abhängt, andere ähneln festverzinslichen Wertpapieren, da sie fest verzinst werden. Generell handelt es sich um Gläubigerpapiere, die auf einen Nominalwert lauten und mit einem Gewinnanspruch verbunden sind. Die Besonderheit von Genußscheinen liegt in der Art des Ertrages, im Durchschnitt bringen sie ein bis zwei Prozent mehr Rendite als festverzinsliche Anleihen und fast dreimal so hohe Ausschüttungen wie Aktien. Dazu kommen noch eventuelle Kursgewinne.

Im Gegensatz zum Vorzugsaktionär, der zur Hauptversammlung zugelassen ist, jedoch kein Stimmrecht hat, verfügt der Genußscheininhaber über keinerlei gesellschaftliche Mitwirkungsrechte. Er besitzen kein Stimmrecht und ist auch nicht dazu berechtigt an der Haupt- oder Gesellschafterversammlung teilzunehmen. Seine Rolle beschränkt sich auf die eines stillen Teilhabers.
Die durch die Genußscheine verbrieften Vermögensrechte - so genannten Genußrechte - sind in den entsprechenden Genußscheinbedingung genau festgelegt.

Eine herausragende Bedeutung erlangen Genußscheine für Unternehmen, die nicht in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft geführt werden. Genußscheine ermöglichen diesen Unternehmen eine Kapitalbeschaffung bei einem breiten Publikum über die Börse.

Grundsätzlich lassen sich folgende Typen von Genußscheinen unterscheiden:

Anleger, die ihre Anlage in Genußscheinen nicht auf Endfälligkeit ausgerichtet haben, sind mit einer Anlage in rentenähnlichen Genußscheinen zinsänderungsbedingten Kursrisiken ausgesetzt. Die Zinssensitivität erhöht sich mit zunehmender Restlaufzeit. Gewinnabhängige Genußscheine ähneln dagegen Aktien und versprechen in Aktienhausse-Zeiten einen überproportionalen Gewinn. Umgekehrt ist das Kursrisiko bei rückläufigen Unternehmensgewinnen entsprechend höher. Gewinnabhängige Scheine sollten nur erworben werden, wenn die Zukunftschancen des Unternehmens positiv eingeschätzt werden.

Die Zinsen erhalten Sie unmittelbar nach der Hauptversammlung einer Gesellschaft. Dabei gilt wie bei Dividenden: Wenn Sie die Scheine am Stichtag zur Hauptversammlung besitzen, fließen Ihnen die kompletten Zinsen für das vergangene Geschäftsjahr zu. Direkt danach sind die Genußscheine in der Regel am billigsten, da ihr Kurs dann um die Dividende ermäßigt ist.

Genußscheine werden, genau wie Aktien, an der Börse in den drei Marktsegmenten gehandelt - und zwar im amtlichen Handel, im geregelten Markt und im Freiverkehr.



Risiken


Inhaber von Genußscheinen tragen mehrere Risiken, die je nach Ausgestaltung der Scheine variieren, deshalb sollten bei dieser Anlageform die Alternativen jeweils genau auf ihre spezifischen Risiken hin geprüft werden.



Steuern


Steuerlich kann es interessant sein, einen Schein mit niedrigem Kupon zu kaufen. Denn: Je höher die Ausschüttung ist, desto schneller sind die Sparerfreibeträge (Ledige: 3100 Mark inklusive Werbungskostenpauschale, Verheiratete: 6200 Mark) ausgeschöpft. Danach werden die Ausschüttungen sowohl renten- als auch aktienähnlicher Genüsse mit 25 Prozent Kapitalertragsteuer belegt - genau wie bei Dividenden. Demnach dürften Genußscheinausschüttungen auch von der geplanten Senkung des Kapitalertragsteuersatzes auf Dividenden von 25 auf 20 Prozent profitieren. Bei Anleihen würden dagegen 30 Prozent Zinsabschlagsteuer fällig. Ein weiterer Vorteil gegenüber Anleihen: Es fallen keine zu versteuernden Stückzinsen (zwischen den Zinsterminen aufgelaufene Zinsen) an.

Ein alter Trick, Erträge aus Genüssen völlig steuerfrei zu kassieren, funktioniert kaum noch, seit die Spekulationsfrist mit Wirkung zum 1. Januar 1999 auf ein Jahr verlängert wurde. Früher konnten Anleger die Flat-Notierung der Genüsse ausnutzen und das Papier kurz nach dem Ausschüttungstermin zu einem niedrigen Kurs kaufen und kurz vor der nächsten Ausschüttung zu einem höheren Kurs wieder verkaufen. Sie wandelten so steuerpflichtige Ausschüttungen in steuerfreie Kursgewinne um. Heute bleibt dem Anleger nur noch folgende Strategie: Er nimmt die erste Ausschüttung nach elf bis zwölf Monaten mit und verkauft kurz vor der zweiten Ausschüttung. So können die Zinsen für fast ein Jahr vereinnahmt werden - ohne Abzug der Kapitalertragsteuer.