Discount-Zertifikate


Discount-Zertifikate: Preisabschlag als Risikopuffer

Discount-Zertifikate (auch Clous genannt) richten sich speziell an Investoren, die gleichbleibende oder moderat steigende Kurse erwarten. In diesem Fall erreichen die Zertifikate ihre Maximalrendite. Auch im Falle von gleichbleibenden Kursen können überdurchschnittliche Gewinne erzielt werden. Seit einiger Zeit sind auch Index-Zertifikate im Angebot, bei denen der Anleger nur bis zu einer festgelegten Obergrenze, dem so genannten Cap, von der Wert-Entwicklung des Index‘ oder des entsprechenden Basis-Wertes profitiert. Diese Discount-Index-Zertifikate werden zum Ausgleich für die Gewinnbegrenzung auch mit einem Preisnachlass verkauft. Für fallende Kurse gibt es diese Begrenzung allerdings nicht.

Der Vorteil für Anleger: Bei seitwärts tendierenden Kursen lassen sich trotzdem stattliche Gewinne erzielen. Jedoch berauben Sie sich aller Gewinnchancen über den Cap hinaus, haben auf der Verlustseite die gleichen Risiken eines Totalverlustes wie bei einer Aktie.

Beispiel:
Eine Bank begibt zum Kurs von 60 Euro und der Laufzeit von einem Jahr ein Discount-Zertifikat, das sich auf die Aktie der Siemens AG bezieht. Der aktuelle Kurs der Aktie steht bei 75 Euro, somit beträgt der Preisabschlag (Discount) 15 Euro. Am Ende der Laufzeit des Zertifikates hat die Bank die Wahl, ob sie dem Anleger 75 Euro oder eine Siemens-Aktie zurückgibt. Die Rückzahlung ist also bis zu einem bestimmten Deckel (engl. Cap) begrenzt. Andererseits hat der Anleger auch bei einem auf 68 Euro gesunkenen Kurs immer noch einen Gewinn. Unter 60 Euro hat er jedoch dasselbe Verlustrisiko wie beim Kauf der Aktie, mit dem Unterschied, dass er die Aktie mit einem Preisabschlag von 15 Euro bezogen hat.

Discount-Zertifikate machen bei weitem den größten Teil des Marktes aus und sind die mit Abstand beliebtesten Anlagezertifikate. Sie sind die ideale Anlageform für eine Seitwärtsbewegung an der Börse, also für Zeiten stagnierender Kurse. Sie beziehen sich meist auf Aktien oder Indizes und ermöglichen eine Risiken reduzierende Beteiligung an einzelnen Unternehmen oder ganzen Marktsegmenten. Mit Fonds oder Index-Zertifikaten lässt sich nur Geld verdienen, wenn die unterliegenden Märkte oder Aktien steigen. Doch was ist, wenn die Börsen nachgeben oder seitwärts dümpeln – muss man dann zwangsläufig auf jegliche Renditeperspektiven verzichten? Im Vergleich zum direkten Kauf einer Aktie erhält der Anleger beim Erwerb von Discount-Zertifikaten einen Preisabschlag (Discount) etwa auf den aktuellen Kurs einer Aktie. Die Höhe des eingeräumten Rabatts hängt dabei maßgeblich von der Schwankungsbreite der Aktie ab sowie der Gewinnbegrenzung nach oben (Cap). Über die Gewinnbegrenzung wird der Preisnachlass quasi finanziert: Notiert die Aktie am Ende der Laufzeit des Zertifikats oberhalb dieser Begrenzung, bekommt der Käufer nur einen Betrag in Höhe des Caps ausbezahlt. Bekäme er stattdessen die Aktie, könnte er durch deren Verkauf den vollen Kursgewinn realisieren – so aber kommt die Differenz zwischen tatsächlichem Kurs und Cap dem Emittenten zugute. Liegt der Kurs der Aktie auf Höhe des Caps oder darunter, wird dem Käufer das zugrunde gelegte Wertpapier ins Depot gebucht.

Gewinne erwirtschaftet der Anleger somit bei steigenden, stagnierenden und leicht fallenden Kursen – bis zur Höhe des eingeräumten Discounts. Bei stark fallenden Kursen erleidet der Besitzer des Papiers zwar Verluste, diese fallen allerdings geringer aus als bei einem Direktinvestment. Lediglich bei stark steigenden Kursen stellt sich der Investor schlechter als beim direkten Kauf des Basiswerts, da er von Kurssteigerungen über die Begrenzung hinaus abgeschnitten ist.

Glücklicherweise nicht, schließlich gibt es Discount-Zertifikate. Diese unterscheiden sich von klassischen Index-Zertifikaten bzw. Aktien dadurch, dass sie einerseits eine begrenzte Laufzeit (in der Regel 3 bis 18 Monate) haben und andererseits die Rückzahlung von vorneherein auf einen Höchstbetrag (CAP) begrenzt ist. Daraus ergeben sich zur Fälligkeit zwei Szenarien:

Der Bezugswert notiert auf oder über dem Höchstbetrag: Das Discount-Zertifikat wird zum Höchstbetrag zurückgezahlt. Der Bezugswert notiert unter dem Höchstbetrag: Der Anleger bekommt den Bezugswert geliefert bzw. den aktuellen Kurs ausbezahlt.

Als Ausgleich für das limitierte Rendite-Potenzial ist ein Discount-Zertifikat stets billiger als sein Bezugswert (Aktie oder Index). So könnte zum Beispiel ein in 18 Monaten fälliges und mit einem Höchstbetrag von 65 Euro ausgestattetes Discount-Zertifikat nur 50 Euro kosten, während die entsprechende Aktie dann bei 60 Euro notiert. Der Abschlag beträgt also 10 Euro oder 20 Prozent.

Maximale Rendite schneller erreicht als beim Direktinvestment
Damit ist die Perspektive klar; das Zertifikat kann im besten Fall von 50 auf 65 Euro steigen. Mehr als diese 30 Prozent Rendite sind nicht drin. Der Clou ist aber, dass die Aktie dafür bis zur Fälligkeit des Discount-Zertifikates nur um 8,4 Prozent von 60 auf 65 Euro steigen muss. Und selbst wenn die Aktie in 18 Monaten wieder bei 65 Euro notiert, also per saldo unverändert, verdient das Discount-Zertifikat noch Geld. Es ist dann eben diese 60 Euro wert, doch angesichts des Einstiegskurses von 50 Euro ergibt das immer noch 20 Prozent Plus – ein Direktinvestment hätte mit ±0 geendet.

Reduziertes Verlustrisiko
Auf der anderen Seite wirkt der 16-prozentige Discount als Verlustpuffer. Denn erst wenn die Aktie bis zur Fälligkeit um über 16 Prozent auf unter 50 Euro gefallen ist, hat das Discount-Zertifikat weniger Wert als heute. Doch auch unterhalb dieser Verlustschwelle schneidet das Zertifikat stets besser ab als die Aktie selbst. Nur wenn die Aktie stark zulegt – mehr als 30 Prozent, die maximale Rendite des Discount-Zertifikates –, wäre eine Direktanlage die bessere Lösung gewesen.

Der Höchstbetrag bestimmt das Chance/Risiko-Profil
Die entscheidende Stellschraube für das Chance-Risiko-Profil ist somit der Höchstbetrag. Je höher dieser liegt, umso größer ist die Rendite-Chance; je kleiner er gewählt wird, umso größer fällt der Risikopuffer aus. Mit einem Discount-Zertifikat, dessen Höchstbetrag sehr deutlich unter dem aktuellen Kurs des Bezugswertes liegt, können Anleger selbst bei stark fallenden Kursen noch attraktive Renditen erwirtschaften.

Verbrieftes Stillhaltergeschäft
Von der Theorie her sind Discount-Zertifikate die verbriefte Form des Stillhaltergeschäfts: Man kauft den Bezugswert und verkauft gleichzeitig eine Kauf-Option. Die dabei vereinnahmte Prämie entspricht dem Discount. Die Investition in Discount-Zertifikate ist also umso attraktiver, je stärker die Börsen schwanken – hohe Volatilitäten sorgen für hohe Optionsprämien und stattliche Discounts. Außerdem ist zu beachten, dass das beschriebene Chance/Risiko-Profil nur gilt, wenn das Discount-Zertifikat bis zur Fälligkeit gehalten wird.

Im Gegensatz zum Handel mit Optionsscheinen ergibt sich hier für den Anleger eine interessante Perspektive: Je volatiler die Aktie ist, desto höher ist der Preisnachlass und somit der Discount (maximale Gewinn) bei der Emission.

Für Pessimisten werden als weitere Variante auch so genannte Bär-Zertifikate, die von fallenden Kursen profitieren, angeboten.

Fazit:

Cap: Discount-Zertifikate haben eine Obergrenze. Ab Überschreiten der Grenze profitiert der Anleger nicht von weiteren Wertänderungen. Die Begrenzung nach oben ist (neben dem Verzicht auf Dividende) also der Preis, den der Anleger für den Rabatt gegenüber der Aktie zahlt. Die Vorteile Gewinne auch bei gleichbleibenden Aktienkursen Höhere Rendite als die Aktie selbst, wenn der Aktienkurs bis zur Obergrenze steigt Geringerer Verlust als die Aktie selbst, wenn der Aktienkurs fällt Börsentäglicher An- und Verkauf des Zertifikates möglich Jederzeit aktuelle Kursinformation.
Discount: Der Risikopuffer gibt dieser Art der Zertifikate einen defensiveren Charakter als die Anlage in Aktien.

Rolling Discount: Die bequeme "Open End"-Alternative So vorteilhaft Discount-Zertifikate auch sind, ein Manko bleibt - durch die begrenzte Laufzeit ist das beliebte "Kaufen & Liegenlassen" nicht möglich. Mit den neuen "Rolling Discounts" wird dieser Nachteil jedoch elegant gelöst: Ausgestattet mit unbegrenzter Laufzeit ("open end"), bilden diese Papiere einen Korb ab, der in regelmäßigen Abständen (z.B. monatlich) immer nur mit einem einzigen Discount-Zertifikat bestückt wird. Der Höchstbetrag wird bei jeder Umschichtung nach einer konstanten Regel festgelegt, etwa exakt dem dann geltenden Index-Stand oder Aktienkurs entsprechend. In diesem Fall vereinnahmen Sie Monat für Monat schon in einer Seitwärtsbewegung automatisch die maximale Rendite. Andere Produkte erwirtschaften auch dann noch regelmäßig Erträge, wenn der Index oder die Aktie pro Monat nicht mehr als 3 oder 5 Prozent fallen.

Vorsicht, Fallstricke bei Discount-Zertifikaten!
Steuer: Erträge aus Zertifikaten sind erst nach zwölf Monaten steuerfrei. ImGegensatz zur Anlage in Fonds sind für Anleger allerdings auch Dividendenerträge steuerfrei, wenn sie Zertifikaten länger als ein Jahr halten. Hält der Anleger das Papier weniger als zwölf Monate, sind Gewinne nur bis zu einer Freigrenze von 920 Euro steuerfrei.

Finanzinnovation: Anleger sollten sich beim Emittenten informieren, ob das Produkt als Finanzinnovation gilt. Dann nämlich müssen die Erträge auch nach einem Jahr voll verteuert werden. Einziger Vorteil: Verluste, die erst nach mehr als einem Jahr realisiert werden, können gegengerechnet werden.

Mit einem Discount-Zertifikat partizipieren Sie an der Wertentwicklung einer Aktie, eines Indizes oder eines sonstiges Basiswerts. Allerdings ist Ihre Gewinnmöglichkeit begrenzt. Am Ende der Laufzeit erhalten Sie entweder die Aktie geliefert oder Ihren aktuellen Gegenwert ausgezahlt, maximal aber in Höhe des Cap-Betrags. Für Anleger sind Discount-Zertifikate interessant, wenn sie gleichbleibende oder moderat steigende Kurse erwarten, da sie nur bis zum Cap an einer positiven Wertenwicklung partizipieren. Dafür kaufen sie das Produkt mit Preisnachlass (Discount) und profitieren von evtl. Kurs- bzw. Preissteigerungen des Basiswerts bis zum Cap. Diese potentiellen Erträge sind nach einer Haltefrist von einem Jahr steuerfrei.



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