Sehr geehrter Besucher!

Hier erhalten Sie jede Woche einen interessanten Auszug über die Charttechnik.
Lesen Sie nach, warum die Charttechnik funktioniert aber vorallem, wie man sie anwendet. Lernen Sie verschiedene Trendumkehrformationen und Trendfolgeformationen kennen, um die Kursbewegungen auf dem Kapitalmarkt zu verstehen.

Kapitel 3

The Trend is your friend!

Trendbestimmungen -Einzeichen von Linien-

Kursbewegungen sind, kurzfristig betrachtet, zufällige Erscheinungen, jedoch bilden sich nach einigen Monaten/Jahren trendartige Entwicklungen heraus. Diese werden als Aufwärtstrend, Abwärtstrend oder Seitwärtstrend wahrgenommen.

Die charttechnische Analyse geht davon aus, dass der zukünftige Trend am besten aus der vorherigen Kursentwicklung abgeleitet werden kann. Die einfachste Form der Trendanalyse besteht in der Einzeichnung von Trendlinien bzw. Trendkanälen. Dabei brauchen Sie mindestens zwei Punkte um eine Trendlinie zu zeichnen, zwei Kursspitzen oder zwei Kursböden. Je mehr Punkte eine Linie berühren oder schneiden, desto bedeutsamer ist sie.

Der jüngste Kurs hat die höchste Aussagekraft, somit erfolgt die Zeichnung der Trendlinie von rechts nach links. Damit ist gewährleistet, dass die jüngsten Kurse bei der charttechnischen Analyse mehr Beachtung finden und in ihrer Analyse stärker gewichtet sind.

Die Trendlinien sollten zukunftsorientiert weitergeführt werden. Damit lässt sich feststellen, ob sich der Markt auch künftig anhand der Linien ausrichtet.

Um einen klaren Trend mit der zugehörigen etablierten Trendlinie zu entdecken, ist es ratsam mehrere Linien darzustellen, die von Zeit zu Zeit korrigiert werden sollten.

Trendlinien im Aufwärtstrend

Ein Aufwärtstrend ist dadurch gekennzeichnet, dass die einzelnen Kursspitzen oder Kursböden jeweils höher liegen als die Vorangegangenen . Um eine Aufwärtstrendlinie darzustellen, sollten mindestens zwei Kursböden miteinander verbunden werden. Zu beachten ist, dass die jüngsten Kurse mehr Bedeutung haben als die Älteren, deshalb muß in jedem Fall die Trendlinie von rechts nach links und zukunftsorientiert weitergeführt werden.

Trendlinien im Abwärtstrend

Der Abwärtstrend verhält sich genau umgekehrt zum Aufwärtstrend. Er ist dadurch gekennzeichnet, dass die einzelnen Kursspitzen und Kursböden jeweils tiefer liegen als die vorhergehenden Kursspitzen und Kursböden.

Um eine Abwärtstrendlinie darzustellen, sollten nun mindestens zwei Kursspitzen miteinander verbunden werden. Des Weiteren muß die Trendlinie wiederum von rechts nach links und in die Zukunft weitergeführt werden.

Trendlinien im Seitwärtstrend

Der Seitwärtstrend ist eine Besonderheit in der Trendlinienbestimmung. Hierbei liegen die Kursspitzen und Kursböden nicht höher oder tiefer als die Vorangegangenen, sondern auf etwa dem gleichen Niveau nebeneinander. Deshalb spricht man hier auch von einer Handelsspanne oder einer Trading-Range.

Die obere und untere Trendlinie einer Trading Range nennt man auch Widerstands- und Unterstützungslinie. Hierzu jedoch später mehr.

Trendkanäle

Trendkanäle entstehen dann, wenn neben einer bereits bestehenden Trendlinie (Aufwärts- oder Abwärtstrendlinie) eine Weitere, die parallel zur Ersten liegt, grafisch umgesetzt werden kann.

Es werden dabei nicht mehr nur die Kursböden des Aufwärtstrends miteinander verbunden, sondern auch die Kursspitzen. Ebenso erfolgt, bei der Darstellung des Abwärtstrends, die ergänzende Verbindung der Kursböden.

Trendkanäle bieten gute Möglichkeiten den zu erwartenden Kursverlauf zu prognostizieren bzw. Unregelmäßigkeiten im Kursverlauf frühzeitig zu erkennen. Der Trendkanal grenzt den zu erwartenden Kursverlauf ein, so dass nun reagiert werden kann und sollte.

Verletzung von Trendlinien und Trendkanälen

Natürlich ist es oft notwendig, Trendlinien oder Trendkanäle zu korrigieren. Dies ist besonders bei Verletzung bzw. Durchbrechung der Trendlinien oder Trendkanälen zu beobachten. Solche Verletzungen sind erste Warnzeichen für eine eventuelle Trendwende.

Trendlinien werden sehr häufig nur marginal durchbrochen. Dabei entwickeln sich die Kurse anschließend in die Richtung weiter, die vor dem Trendlinienbruch herrschte.

Wie lassen sich solche Reaktionen erklären? Vielmals liegt es daran, dass kurz unter- bzw. überhalb einer Trendlinie/Trendkanals einige Händler Kauf bzw. Verkaufslimites gesetzt haben. Dies führt nicht zu einem nachhaltigen Bruch der Trendlinien/Trendkanäle, sondern verursacht nur eine marginale Unterschreitung. Diese Reaktionen sind auch unter Bullen- oder Bärenfalle bekannt. Handeln Sie nicht unmittelbar sobald eine Trendlinie marginal durchbrochen wurde, warten Sie besser erst dessen Bestätigung ab.

Als Faustformel hat sich die sogenannte 3%-Regel eingebürgert. Diese besagt, dass eine Trendlinie erst nachhaltig durchbrochen ist, wenn der Kurs 3% unter oder über ihr notiert ist. Bei einem Kurs von Euro 150,00 wären das Euro 4,50 bzw. Euro 145,50 oder Euro 154,50.

Widerstands- und Unterstützungslinien

Trendlinien machen eine Aussage über die zu erwartende Richtung einer Kursbewegung. Widerstands- und Unterstützungslinien sind ergänzende Linien und zeigen hingegen für gewöhnlich das mögliche Ausmaß einer zu erwartenden Kursbewegung.

Kurstrends enden oftmals auf einem Niveau, auf dem sie sich früher schon einmal befanden. Zu erklären sind solche Widerstands- oder Unterstützungsniveaus mit dem psychologisch bedingten Verhalten der Anleger.

Stellen Sie sich einmal vor, sehr viele Anleger kaufen eine Aktie bei Euro 40,00 um festzustellen, dass diese Aktie nur eine Richtung kennt, nämlich die nach unten. Steigt diese Aktie zu einem späteren Zeitpunkt wieder, werden die Anleger sicherlich froh sein ihr Einstiegsniveau bei Euro 40,00 "wiederzusehen". Sie werden unter Umständen aus Sicherheitsgründen auf diesem Niveau verkaufen ohne einen Gewinn realisiert zu haben. Solange die Anleger bei Euro 40,00 ihre Aktien verkaufen, wird dieses Niveau schwer zu überwinden sein. Damit etabliert sich bei Euro 40,00 ein Widerstand.

Fazit: Erreichen die Kurse einer Aktie in einem Aufwärtstrend ein Niveau, welches sich in der Vergangenheit schon einmal als Widerstand zeigte, so wird dieses Niveau nur schwer zu überwinden sein. Im Abwärtstrend stellt eine Unterstützungslinie ein Niveau dar, welches in der Vergangenheit auch schon einmal als Unterstützung diente. Je öfters eine Widerstands- bzw. eine Unterstützungslinie "getestet" wurden, desto stabiler wird sie eingestuft.

Werden solche Widerstandslinien einmal durchbrochen, dann wird eine durchbrochene Widerstandslinie zur Unterstützungslinie. Erfolgt ein Durchbruch der Unterstützungslinie, entsteht anschließend die Widerstandslinie. Handelt es sich bei den Widerstands- und Unterstützungslinien um einen klassischen Seitwärtstrendkanal oder einer Trading-Range, so kann man beim Verlassen das Kursziel berechnen. Man mißt den Abstand zwischen der Unterstützungslinie zur Widerstandslinie. Diese Entfernung trägt man anschließend über bzw. unter der Widerstands-/Unterstützungslinie ab. So erhält man ein mögliches Ausmaß der zu erwartenden Kursbewegung bei einem Bruch der Linien.

Kurs-Umsatz-Relation

Zur vollständigen Chartanalyse gehört auch die Betrachtung der Börsenumsätze. Erst durch die Börsenumsätze läßt sich die Marktbewegung richtig einschätzen. Die Börsenumsätze geben die absolute Zahl von Verkäufen und Käufen an. Bitte beachten Sie, dass es sich hierbei nicht um die Addition beider Positionen handelt, jedoch liegt jedem Kauf ein Verkauf zugrunde und damit wird ein Geschäft nur einmal bewertet.

Die Umsätze sind meistens in dem unteren Drittel eines Chart eingezeichnet. Dabei werden sie für gewöhnlich durch einen senkrechten Balken dokumentiert. Je länger der Balken ist, desto mehr Umsatz wurde erwirtschaftet und je kürzer der Balken, desto weniger Umsatz wurde eingenommen.

Die Umsatzentwicklung sollte den Kursverlauf bestätigen, dadurch bedeuten steigende Kurse auch steigende Umsätze. Erst dann kann man von einer stabilen Marktverfassung sprechen. Dagegen beginnen fallende Kurse bzw. Konsolidierungen zunächst mit nachlassenden Umsätzen. Die Kurse steigen weiter, jedoch nehmen die Umsätze ab. Vorsicht ist geboten!

In einem Abwärtstrend signalisieren steigende Umsätze einen fortdauernden Abschwung des Kurses. Das Ende der Abwärtsbewegung wird häufig mit einer stark nachlassenden Abgabenbereitschaft angezeigt, dabei geht der Umsatz bei fallenden Kursen zurück. Die einzige Ausnahme ist der sog. "sell-out". Hierbei handelt es sich um eine extrem hohe Abgabenbereitschaft bei fallenden Kursen. Dies deutet für gewöhnlich auf einen sog. Ausverkauf hin. Die Kurse fallen extrem stark bei deutlich erhöhten Umsätzen, damit ist das Ende des Abwärtstrends eingeläutet.