Sehr geehrter Besucher!

Hier erhalten Sie jede Woche einen interessanten Auszug über die Charttechnik.
Lesen Sie nach, warum die Charttechnik funktioniert aber vorallem, wie man sie anwendet. Lernen Sie verschiedene Trendumkehrformationen und Trendfolgeformationen kennen, um die Kursbewegungen auf dem Kapitalmarkt zu verstehen.

Kapitel 1

Ziel der Technischen Analyse 

Die Technische Analyse ermöglicht, die zukünftigen Entwicklungen der Wertpapieranlage besser einschätzen zu können. Daten und Erfahrungen aus der
Vergangenheit werden mit Hilfe der Technischen Analyse zur Entscheidungsgrundlage für die Gegenwart.

Die Technische Analyse ist ein Instrumentarium, welches den Börsenkurs beobachtet, aufzeichnet, mit diesem rechnet und aus der vergangenen Kursentwicklung heraus versucht, den zukünftigen Kurs zu prognostizieren. Hierbei gilt der Kurs als gegeben ohne jegliche Berücksichtigung der Gründe für dessen Höhe.

Man unterteilt die Technische Analyse in drei Kategorien:

1. Charttechnische Analyse (Charttechnik)

Die charttechnische Analyse untersucht den Chart oder den Kursverlauf und die dazugehörigen Umsätze nach bestimmten "Mustern". Diese sollen im Wesentlichen helfen einen Beginn, eine Fortsetzung oder eine Umkehr eines Trends zu erkennen.

2. Markttechnische Analyse (Markttechnik)

Die markttechnische Analyse ergänzt die Charttechnik mit Hilfe von verschiedenen mathematisch aufbereiteten Daten, den sogenannten Indikatoren. Diese helfen dem Analysten bestehende Trends und Formationen zu untersuchen. Er ist in der Lage zu erkennen, ob die Trends an Beständigkeit verlieren oder ein Trendwechsel bevorsteht bzw. schon erfolgt ist. Mit den gleitenden Durchschnitten und den Oszillatoren stehen dem Analysten zwei Arten von Indikatoren zur Verfügung. 

3. Sentiment Analyse (Stimmungsanalyse)

Ist die Stimmung gut, sind die Kurse oben. Ist die Stimmung schlecht, sind die Kurse unten. Laut psychologischen Marktbeobachtungen liegt die Mehrheit an der Börse falsch, somit muß gegen die vorherrschende Meinung gehandelt werden. Anhänger der Sentimenttechnik versuchen mit Hilfe von Indikatoren überhitzte bzw. unterkühlte Kurse herauszufiltern und danach Verkäufe und Käufe vorzunehmen. Wichtige Hilfsmittel sind etwa das Verhältnis von Verkaufs- und Kaufoptionen (Put/Call-Ratio) oder der Vergleich optimistischer und pessimistischer Börsenberater. Da die Märkte des Öfteren zu Übertreibungen neigen, steigen aufgrund dieser Problematik Sentimenttechniker oft zu früh ein und zu früh aus. Die Stimmungsanalyse wird hier nicht näher erläutert.

1. Charttechnische Analyse (Charttechnik)

Die charttechnische Analyse, auch Charttechnik genannt, befaßt sich mit der visuellen Wahrnehmung der Kursverläufe, den Charts. Die Anwender dieser Analyse, die  "Chartisten", gehen von folgenden drei Annahmen aus:

1. Im Kurs sind alle beeinflußbaren Faktoren enthalten
2. Die Kursentwicklung erfolgt in Trends
3. Die Vergangenheit wird sich in der Zukunft wiederholen

Im folgendem wird auf die drei Grundeinnahmen eingegangen:

1. Im Kurs sind alle beeinflußbaren Faktoren enthalten

Der Chartist fragt nicht, weshalb ein Wertpapier einen bestimmten Kurs (Preis) hat, sondern nimmt ihn als gegeben hin. Der Preis wird aus Angebot und
Nachfrage gebildet. Bei jedem Börsengeschäft treffen sich zwei Teilnehmer: ein Verkäufer und ein Käufer. Beide sind bereit zu einem bestimmten Preis zu handeln. Dabei werden alle Faktoren, die einen Kurs beeinflussen können wie z.B. Ertragsprognosen, Zinsentscheidungen und Inflationsängste, berücksichtigt. Da der Chartist immer mit den Informationen und Gegebenheiten arbeitet, die den Marktteilnehmern zum Zeitpunkt des Handelns bekannt sind, gibt der Kurs die aktuelle Meinung des Marktes wieder. 

2. Die Kursentwicklung erfolgt in Trends

Kursbewegungen erscheinen kurzfristig betrachtet zufällig, jedoch bilden sich nach einigen Monaten/Jahren trendartige Entwicklungen heraus. Diese werden als Aufwärtstrend, Abwärtstrend oder Seitwärtstrend wahrgenommen. Die Charttechnik geht davon aus, dass Kurse solange in eine Richtung laufen, bis  Informationen oder Ereignisse den Trend unterbrechen und somit ein Richtungswechsel verursachen. Der neue Trend wird ebenfalls solange in eine Richtung laufen bis neue Informationen eine Trendumkehr bewirken. Man unterscheidet nicht nur zwischen Aufwärts-, Abwärts- und Seitwärtstrends, sondern gliedert diese zusätzlich noch in unterschiedliche Zeiteinteilungen.


Dieses sind im Folgenden:

Primärtrend
Er stellt die langfristige zyklische Entwicklung dar. Seine Dauer beträgt für gewöhnlich ca. 10 - 20 Jahre.

Sekundärtrend
Der Sekundärtrend ist mehr konjunkturzyklisch bedingt. Er dauert ca. 2 - 5 Jahre.

Tertiärtrend
Dieser Trend ist vom Anlegerverhalten bestimmt. Er hat in etwa eine Dauer von ca. 1 - 3 Monate bzw. noch kürzer. Hier spiegeln sich die Bewegungen der
reinen Spekulanten, der Trader, wieder.

Die Technische Analyse beschäftigt sich vornehmlich mit den Sekundär- bzw. Tertiärtrends, die eine kurz- bis mittelfristigen Betrachtung eines Charts erlauben.

3. Die Vergangenheit wird sich in der Zukunft wiederholen

Die Börse funktioniert, weil sich Menschen immer nach den gleichen "Mustern" bewegen bzw. handeln. Diese Handlungsweisen sind aus den Kursen der Vergangenheit abzulesen. Studiert man die dort gewonnenen Kenntnisse oder Chartmuster genauer, so stellt man fest, dass sich bestimmte "Muster" laufend wiederholen. Somit sind die Kursverläufe von Aktien und Märkten in gewisser Weise "prognostizierbar".

Lesen Sie nächste Woche mehr über die Darstellungsformen von Chartbildern.
Unter anderem: Liniencharts, Balkencharts oder Candlestick-Charts sowie deren Zeitbetrachtungen.